Zwei Antworten:
Wieso ich das gefragt hab: Mir ist beim Zusammenbau eines Motors an dem ich grad schraube aufgefallen, daß die Verzahnung auf dem Nockenwellenketttenrad der Einlaßwelle gegenüber der auf dem Kettenrad der Auslaßwelle um einen kleinen Winkelbetrag verschoben ist.
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Hier hab ich drei Ritzel, außen je ein Auslaßwellen-, in der Mitte ein Einlaßwellenritzel, auf drei Bolzen verschraubt ausgerichtet, das Paket so im Schaubstock eingeklemmt und dann an jeweils demselben Zahn der beiden äußeren das Lineal angelegt. Man sieht, daß die Verzahnung in der Mitte relativ zu den beiden äußeren verdreht steht.
Das heißt, wenn man, wies zumindest ich schon gemacht hab, die Auslaßwelle auf dem Einlaß mit dem Ritzel der Einlaßwelle montiert und nach Markierung einstellt sind die 'neuen' Steuerzeiten nicht symmetrisch zu den ursprünglichen sondern um diesen Deltawinkel Richtung 'später' verschoben. Bei diesem Versuch hab ich auch noch festgestellt, daß die Verschraubungsbohrungen, auch wenns anders aussieht, kein gleichschenkliges Dreieck bilden, das Einlaßkettenrad läßt sich also nicht 'umgedreht' montieren um so die Steuerzeiten Richtung früh statt Richtung spät zu verschieben.
Der Teilungswinkel zwischen zwei Zähnen der Ritzel beträgt 360°/ 34 = 10°36', den Deltawinkel hab ich mit einem kleinen Meßaufbau zu 2°45' gemessen.
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Der 'Nachlaufwinkel' ist also nicht wirklich groß, im Steuerzeitendiagramm ...
Screenshot 2026-01-26 225001.jpg
... sieht das dann so aus.
Screenshot 2026-01-26 202455.jpg
Die blaue Ventilerhebung ist die serienmäßige, die gestrichelte Ventilöffnung mit einer Auslasswelle auf der Einlasseite würde man bei Verwendung des serienmäßigen Ritzels der Auslaßwelle bekommen. Mit dem Ritzel der Einlaßwelle ergibt sich die durchgezogene grüne Ventilerhebung, würde man das Kettenrad und damit die Welle um einen Zahn vorverstellen bekäme man am Einlaß die orange eingezeichneten Steuerzeiten.
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Pause, ich muß Handball kucken gehen

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Schade, das war jetzt leider nicht so erfolgreich

Also weiter.
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Was heißt das jetzt? Und damit versuch ich auch gleich die Frage von Uwe ...
upp hat geschrieben: ↑Mo 26. Jan 2026, 14:49 .... wieso sollte man sowas machen? Bringt das mehr Leistung / Drehmoment? ...
.. zu beantworten. Wobei ich mir die technischen Aussagen teils bei Bekannten, die beruflich mit Motorenentwicklung zu tun haben, erfragt und teils aus Fachbüchern wie Helmut Hütten,"Motoren" und Jürgen Stoffregen "Motorradtechnik" zusammengestoppelt habe.
Die Ventile des Z 750 - Motors nutzen mit Einlaßdurchmesser 42 mm und Auslaßdurchmesser 36 mm den vorhandenen Bauraum aus, Ventildurchmesser Einlaß > Auslaß paßt auch. Auffällig ist, daß der Hub des Einlaßventils, üblicherweis mehr oder weniger identisch mit dem des Auslaßventils, hier mit 8,2 mm um 2 mm kleiner als der des Auslaßventils mit ~ 10,3 mm ist
Das hat durchaus Vorteile, die Gaseinströmgeschwindigkeit steigt durch den größeren Unterdruck beim Ansaugvorgang und das trägt wohl zusammen mit der relativ geringen Ventilüberschneidung zur Drehmomentencharakteristik des Kawa-Motors mit seiner hohen Elastizität bei.
Ich tipp allerdings bei dieser Maßnahme auf eine bewußte Drosselung der Höchstleistung. Gleichzeitig mit der Twin kam ja die Vierzylinder Z 650 B, 64 PS bei 8.500 rpm, 57 Nm bei 7.000 rpm. auf den Markt. Von der wollte man den Zweizylinder leistungsmäßig sicher deutlich abgrenzen.
Mit der Auslaßwelle auf der Einlaßseite ändern sich zwei wichtige Parameter:
- Mit dem größeren Ventilhub wird der freie Einlaßquerschnitt größer und damit die Zylinderfüllung verbessert. Gleichzeitig verschiebt sich der Einlaßbeginn dadurch geringfügig weiter Richtung früh. Bessere Füllung bedeutet mehr Drehmoment, früherer Einlaßbeginn siehe oben.
Soweit die Theorie, aber merkt man das auch?
Ich hab das mal bei einem Motor versucht. Beim Serienmotor hatte zumindest ich immer den Eindruck, daß der so ab 5.000 … 5.500 rpm relativ zäh weiterdreht. Das hat sich komplett verändert, er dreht locker bis 7.000 +.
Ob er unten Drehmoment verloren hat. Schwer zu sagen, fällt mir nicht wirklich auf. Möglicherweis kompensiert die größere Ventilöffnung in diesem speziellen Fall im unteren Drehzahlbereich die grundsätzliche Verschiebung der Drehmomente zu höheren Drehzahlen. Aber um das wirklich beurteilen zu können müsste man vorher/nachher auf dem Leistungsprüfstand fahren.
Vielleicht berichtet ja einer der Kollegen, die das auch schon umgebaut haben hier über seinen Eindruck oder sein Prüfstandsergebnis.
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Jetzt ists kurz vor Mitternacht, ich habs ein paar mal selbst gelesen, soweit möglich vereinfacht und massenhaft Schreibfehler rausgenommen und eigentlich reichts. Aber das war jetzt doch gut, das mal zusammenzuschreiben. Über meinen Vergleich der Ventilerhebungskurven oben bin ich dabei auf eine kleine Änderung am Motor, an dem ich grad schraub, gekommen, die ich ohne diese Zusammenfassungso gar nicht gesehen hätte:
Als bisher letzten Arbeitsschritt dabei hab ich die Nockenwellen mit den passenden shims eingebaut, der Deckel ist noch offen. Morgen tausch das Kettenrad der Auslaßwelle auf der Einlaßseite zurück auf das serienmäßige und stell damit den Einlaßbeginn entsprechend Argos Empfehlung von 7°- grüne Volllinie - auf 10° - grün gestrichelt - vor

Der Motor hat ein bißchen mehr Hubraum als der jetzige. Das sollte den Drehmomentenverlust bei niederer Drehzahl durch diese Maßnahme kompensieren aber oben sollte die Leistung steigen. Theorie oder Wirklichkeit - schaun wir mal
