Ratlos - Verschleiss Überlastkupplung Anlasser
Verfasst: Mo 11. Aug 2025, 21:06
In den Pyrenäen hab ich Ende Mai nicht nur vier mal das Hinterrad ausgebaut und jeweils den Reifen runtergenommen, beim ersten Mal um einen Platten zu flicken, die restlichen drei Mal um schleichenden Luftverlust zu beheben - heiliges Wasser aus Lourdes hat nichts geholfen aber in Tarbes gabs endlich neu einen passenden Schlauch - nein, ich musste die letzten beiden Tage auf der Heimfahrt auch noch mit Kickstarter starten, weil der Anlasser zwar gejault aber den Motor nicht mehr durchgedreht hat.
Ich hatte den Anlasserfreilauf im Verdacht. Aber der wars nicht, die Überlastkupplung im Anlasser ist durchgerutscht.
Das Hohlrad 7 des Anlasser-Untersetzungsgetriebes wird im Anlassergehäuse nicht verdrehfest montiert sondern über Reibmoment in einer Kegelkupplung zwischen Hohlrad und dem verdrehfesten 'internal gear holder' 6 gegen Verdrehen gesichert. Durch die axiale Vorspannung des ganzen Pakets mit der Tellerfeder 5 wird in der Kegelkupplung das Reibmoment zum Halten des Hohlrads erzeugt. Wenn der Motor beim Start zurückschlägt ist das Massenmoment größer als das Reibmoment, die Kupplung rutscht und das schlagartig auftretende Übermoment 'geht ins Leere' und kommt nicht im Freilauf an. Den es sonst möglicherweis zerdeppern würde - gerissene Freilaufgehäuse gibts ja gelegentlich trotzdem.
So, nehme ich an, zumindest die Idee. Gesehen habe ich das bisher nur bei der Z 750. Ob mans braucht - meine Yamaha TX 750 mit ähnlichem Motor hat sowas nicht und funktioniert auch.
_____
Mit einem Arthrose-Knie ist das Kicken nicht lustig und ich hab deshalb auf den letzten 1.200 km Heimweg aus den Pyrenäen und auf nochmal 600 km Twin-Treffen und zurück den Motor mit rutschendem Anlasser plus Kickstarter gleichzeitig gestartet. Ging definitiv einfacher.
Wie ich anschließend den Anlasser zerlege stell ich fest, daß sich wegen eines undichten Wellendichtrings zum Motor das Fett im Anlasser mit Öl vermischt hat, was mit dem dadurch reduzierten Reibwert das erstmalige Rutschen der Reibkupplung erklärt. Und mein Weiterbetrieb des rutschenden Anlassers über 1.800 km hat dazu geführt, daß die Reibkupplung selbst verschlissen ist. Erkennbar am Spaltmaß zwischen gear holder und Hohlrad das sich von 0,95 mm auf Null reduziert hat weils den Reibkonus schlicht weggerieben hat bis die beiden teile bei gleichzeitig verminderter Vorspannkraft der Tellerfeder nur noch auf den Stirnflächen gerieben haben. Die Momentenverstärkung über die Kegelkupplung, in Summe bei einem geschätzten Kegelwinkel von 2 x 20° ca Faktor 8, ist dahin.
Soweit nicht schön aber erklärbar. In der Teilekiste liegen drei Anlasser, ich nehm einen davon und bau ihn unbesehen ein. Und der rutscht auch.
Daraufhin mach ich die beiden anderen auf. Einer ist ok, mit dem fahr ich jetzt, der zweite hat, wie der, den ich zunächst eingebaut hatte, ebenfalls Spaltmaß Null.
Jetzt hab ich also mit dem Pyrenäen-Anlasser, bei dem ich mir den Schaden zumindest erkären kann, drei Anlasser, bei denen die Überlast-Reibkupplung verschlissen ist. Einen davon hab ich halb zerlegt und ohne oberen Deckel und Halter für die Kohlebürsten aus der Resteverwertung einer aufgelösten Kawasaki-Werkstatt gekauft, der andere gehört zu einem Motor den ich hier liegen aber nie selbst gefahren habe.
Bin ratlos, scheint offensichtlich öfter vorzukommen, kennt jemand das Problem ?
Martin
Ich hatte den Anlasserfreilauf im Verdacht. Aber der wars nicht, die Überlastkupplung im Anlasser ist durchgerutscht.
Das Hohlrad 7 des Anlasser-Untersetzungsgetriebes wird im Anlassergehäuse nicht verdrehfest montiert sondern über Reibmoment in einer Kegelkupplung zwischen Hohlrad und dem verdrehfesten 'internal gear holder' 6 gegen Verdrehen gesichert. Durch die axiale Vorspannung des ganzen Pakets mit der Tellerfeder 5 wird in der Kegelkupplung das Reibmoment zum Halten des Hohlrads erzeugt. Wenn der Motor beim Start zurückschlägt ist das Massenmoment größer als das Reibmoment, die Kupplung rutscht und das schlagartig auftretende Übermoment 'geht ins Leere' und kommt nicht im Freilauf an. Den es sonst möglicherweis zerdeppern würde - gerissene Freilaufgehäuse gibts ja gelegentlich trotzdem.
So, nehme ich an, zumindest die Idee. Gesehen habe ich das bisher nur bei der Z 750. Ob mans braucht - meine Yamaha TX 750 mit ähnlichem Motor hat sowas nicht und funktioniert auch.
_____
Mit einem Arthrose-Knie ist das Kicken nicht lustig und ich hab deshalb auf den letzten 1.200 km Heimweg aus den Pyrenäen und auf nochmal 600 km Twin-Treffen und zurück den Motor mit rutschendem Anlasser plus Kickstarter gleichzeitig gestartet. Ging definitiv einfacher.
Wie ich anschließend den Anlasser zerlege stell ich fest, daß sich wegen eines undichten Wellendichtrings zum Motor das Fett im Anlasser mit Öl vermischt hat, was mit dem dadurch reduzierten Reibwert das erstmalige Rutschen der Reibkupplung erklärt. Und mein Weiterbetrieb des rutschenden Anlassers über 1.800 km hat dazu geführt, daß die Reibkupplung selbst verschlissen ist. Erkennbar am Spaltmaß zwischen gear holder und Hohlrad das sich von 0,95 mm auf Null reduziert hat weils den Reibkonus schlicht weggerieben hat bis die beiden teile bei gleichzeitig verminderter Vorspannkraft der Tellerfeder nur noch auf den Stirnflächen gerieben haben. Die Momentenverstärkung über die Kegelkupplung, in Summe bei einem geschätzten Kegelwinkel von 2 x 20° ca Faktor 8, ist dahin.
Soweit nicht schön aber erklärbar. In der Teilekiste liegen drei Anlasser, ich nehm einen davon und bau ihn unbesehen ein. Und der rutscht auch.
Daraufhin mach ich die beiden anderen auf. Einer ist ok, mit dem fahr ich jetzt, der zweite hat, wie der, den ich zunächst eingebaut hatte, ebenfalls Spaltmaß Null.
Jetzt hab ich also mit dem Pyrenäen-Anlasser, bei dem ich mir den Schaden zumindest erkären kann, drei Anlasser, bei denen die Überlast-Reibkupplung verschlissen ist. Einen davon hab ich halb zerlegt und ohne oberen Deckel und Halter für die Kohlebürsten aus der Resteverwertung einer aufgelösten Kawasaki-Werkstatt gekauft, der andere gehört zu einem Motor den ich hier liegen aber nie selbst gefahren habe.
Bin ratlos, scheint offensichtlich öfter vorzukommen, kennt jemand das Problem ?
Martin