Seite 13 von 16

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Mo 24. Dez 2018, 03:05
von Michael
Hi Daniel,
danke für den Hinweis.
Ich hatte das mal ausprobiert und der Kolben geht nicht (nennenswert) mit der Unterkante aus der Laufbuchse heraus:
DSCN5952 (Custom).JPG

Habe heute einen weiteren kompletten Motor zerlegt.
Steht schon seit Jahren bei mir rum, ist völlig oxidiert, eingestaubt und jemand hat ein Loch im Motorgehäuse eher semiprofessionell, man könnte auch suboptimal sagen, repariert.
20181223_122549 (Custom).jpg
20181223_150005 (Custom).jpg

Um so größer war meine Überraschung das Innenleben in hervorragendem Zustand vorzufinden und den Zylinderblock mit 1. Übermaß zu demontieren war eine Sache von Minuten. Habe schon ein neues gebrauchtes Motorgehäuse hergerichtet und dann werde ich den Motor und den Big-Bore-Motor parallel zusammenbauen.
Das Ersatzmotorgehäuse habe ich mit Walnussschalengranulat gestrahlt und anschließend mit Spüliwasser in der Badewanne gereinigt.
Die Walnussschalen stauben stark und kleben an jeder öligen Stelle. Die Nadellager der Ausgleichswellen habe ich nicht demontiert.
Danach sind sie hinüber, also habe ich es so gewagt. Geht garnicht mal so gut aus den Lagern raus, aber sie drehen sich schon wieder mit Welle drin.
Steht jetzt zum Trocknen in der Küche auf der Arbeitsfläche.
So geht der Heilig Abend gut los und ich liebe Maria, auch für ihr Verständnis für mein Hobby ;)

Hier noch das frisch gestrahlte Motorgehäuse und auch ein Satz vorher ziemlich gammliger Kopfmuttern:
20181223_210826 (Custom).jpg
20181223_210838 (Custom).jpg
20181223_210943 (Custom).jpg

Bin guten Mutes das abgesehen von einer noch geplanten Zylinderkopfbearbeitung (Quetschkanten am Big-Bore-Kopf) beide Motoren bis 6. Jan. 2019 fertig sind.

Ich werde berichten ;)

LG, Michael

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Di 25. Dez 2018, 11:59
von Michael
Weihnachten, herrlich !
Da hat man endlich Zeit das zu machen, was man sonst nicht macht.
Zum Beispiel Motorgehäuse zum lackieren vorzubereiten.
Hier das Ersatzgehäuse für den 750er Motor:
20181225_115333 (Custom).jpg

Das Big-Bore-Gehäuse bleibt "natur", dieses Gehäuse wird schwarz.
Einige alte, beschädigte Deckel werde ich als Lackschutz des Gehäuses montieren, Zylinderfuß und Lichtmaschine decke ich mit Pappschablonen ab.
LG, Michael
PS: Die Stehbolzen sind mit durchsichtigem Paketklebeband umklebt ;)

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Di 25. Dez 2018, 14:11
von ausreiter
Hallo Michael,

jooh, die Frei-tage laden dazu ein...

schöne magst Du das, gefällt...den Bigbore " Natur " zu belassen :headbang:

Das kann ich demnächst alles in Augenschein nehmen...Freude :rolleyes:


Schöne Weihnachtsgrüsse an Frau und Kinder !

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Di 25. Dez 2018, 20:32
von Michael
Beim Vorbereiten ist es nicht geblieben ;)
Habe mir einen Lackierplatz mit drehbarem Motorhalter, Licht und Infrarotstrahler im Speicher hergerichtet.
Trotz etwas Vorwärmung des Motors war es doch ziemlich kalt und das Lackier-Ergebnis ist so "naja" geworden.
Die VHT-Lacke werden nass-in-nass verarbeitet und wenn die Grundierung schon Nasen bildet ...
... die Farbe statt erwartet schwarz seidenmatt sich beim Aufsprühen als "black pearl" erweist,
dann kann eine Schicht glänzender Klarlack auch gleich noch mit drauf.
Momentan hängt der Motor noch in seinem Halter, einige der Abdeckdeckel sind schon runter und er wird per Infrarotstrahler geheizt.
Ich drehe ihn immer ein bisschen weiter und bearbeite dann einige der geheizten Stellen mit der Heißluftpistole, damit der Lack wenigstens einmal seine 80°C erreicht.
In der einen Hand die Heißluftpistole, in der anderen das Laserthermometer, das kann ich dann aber nicht mehr fotografieren ;)
Erst dann wird der Lack fest und ich kann das Gehäuse wieder zur Motormontage verwenden.

Ein paar Bilder dazu und wie gesagt, es geht nur um das Gehäuse, nicht um irgendwelche Deckel:
20181225_165146 (Custom).jpg
20181225_170141 (Custom).jpg
20181225_174326 (Custom).jpg
20181225_174417 (Custom).jpg

Weiterhin frohe Weihnachten,
Michael

PS: Ja, der Lack ist an einigen Stellen verlaufen, hauptsächlich an der Unterseite.

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Do 27. Dez 2018, 02:51
von Michael
Liebe Twintreiber,

ich habe das lackierte Motorgehäuse problemlos wieder geteilt, alle Lagerflächen gereinigt und oh Schreck festgestellt, das sich die Lager der Ausgleichswellen doch nicht so gut wie erhofft vom Walnussschalengranulat haben reinigen lassen.
Auch eine Behandlung in der Teilewaschanlage hat keine nennenswerte Besserung gebracht.
Also mussten sie doch ausgebaut werden, was ich als Lehrgeld verbuche.

Die Geschichte der Ausgleichswellenlager findet ihr hier:
viewtopic.php?f=8&t=3127&p=22990#p22990
Dazu nur soviel:
20181226_220538 (Custom).jpg

Nils hat mir mit Begeisterung geholfen und so konnten wir schon einiges an diesem Motor erledigen.
Ein paralleles montieren des Big-Bore-Motors war aber leider nicht hinzubekommen.
20181226_004759 (Custom).jpg
20181226_235547 (Custom).jpg
20181227_003426 (Custom).jpg
20181227_013634 (Custom).jpg

Morgen geht es weiter, u.a. mit neuen Teilen von CMS, z.B. dem Gummiring der Öldurchführung in der Gehäusetrennstelle.

Gemeinsam schrauben macht Spaß !
LG, Michael und Nils

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Do 27. Dez 2018, 22:42
von bikeorslk
Moin,

wenn ich das so lese, werde ich fast ein bisschen neidisch - zu zweit in einer gute ausgestatteten Werkstatt einen Motor wieder zum Leben erwecken, dabei noch die Ästhetik beachten und bei den Teilen nahezu aus dem Vollen schöpfen - ihr habt das schon gut. Hätte ich irgendwie auch Lust drauf...

Ich wünsche euch noch viel Spaß und wenige/keine bösen Überraschungen.

Ach ja: Ich hätte erwartet, dass Walnussgranulat schlichtweg in den Lagern zermahlen und vom Motoröl weggeschwemmt werden kann?

Bye

Carsten

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Fr 28. Dez 2018, 02:33
von Michael
Hi Karsten,

ja, Schrott wird flott ;)

Das Verhalten hatte ich auch von den "Walnüssen" erhofft, aber dem ist leider nicht so.
Wenn da noch mal ein Krümel irgendwo auftaucht, dann wird das wohl so sein, aber größere Mengen in Nadellagern, ne, das wird nichts.

Heute habe ich wieder allein geschraubt und mich besonders um den Ausgleichswellenkettenspanner gekümmert.
Dazu habe ich Martins Idee mit der federbelasteten Kugel kopiert.
Hier der Link dazu:
viewtopic.php?f=6&t=2672&start=20#p22995
Bin gespannt wie das funktioniert und hoffe das es überhaupt hält ;)
20181227_202821 (Custom).jpg

Ansonsten mir ordentlich einen Fingerknöchel am scharfkantigen Motorgehäuse abgeschabt, natürlich beim Festziehen der Befestigungsschraube eines Ausgleichgewichts abgerutscht, weil sich das weggedreht hat !
Die Flüche auf diesen Mechanismus werde ich hier nicht wiederholen ;)
Also richtig angesetzt und festgeschraubt.

Dann die untere Gehäusehälfte mit Schaltung und Ausgleichswellen montagefertig gemacht und mal die Gehäuseteile trocken zusammengesetzt.
Ist immer wieder spannend und war irgendwie hakelig, also nochmal und nochmal.

Da ich ja das untere Gehäuse auf das umgedreht positionierte obere Gehäuse montiere, klappt das nicht mit den Markierungen auf Kurbelwelle und Ausgleichsgewichten. Da werde ich morgen eine Gradscheibe auf die Kurbelwelle montieren, damit ich die um 180° drehen und dann die Kette mit den natürlich nach unten hängenden Gewichten auflegen kann.
Das wird wieder mal spannend !

Die sechs großen Schrauben, die die Kurbelwellenlager halten habe ich zum säubern der Gewinde durch ein Schneideisen gedreht und vor der Montage noch mit "Walnüssen" gestrahlt:
20181227_215236 (Custom).jpg

Also heute nur Trockenübung, dafür wollte ich schon mal sehen, wie der Motor mit den hier noch rumliegenden Chromdeckeln aussieht.
Ja, gefällt mir schon irgendwie, so Blingbling am Motor ;)
20181228_010335 (Custom).jpg
20181228_010229 (Custom).jpg
20181228_010123 (Custom).jpg

Morgen geht es weiter.
LG, Michael

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Sa 29. Dez 2018, 04:44
von Michael
Um es kurz zu machen, die Kolben sind im Big-Bore-Motor :headbang:
20181229_020742 (Custom).jpg
20181229_021353 (Custom).jpg
20181229_040120 (Custom).jpg
20181229_040500 (Custom).jpg
20181229_040210 (Custom).jpg

Yippie !
Gute Nacht,
Michael

Re: Big Bore Kit

Verfasst: Sa 29. Dez 2018, 17:44
von Michael
Kleiner Zwischenstand von heute nachmittag.
Ich habe mich über den Kopf des Big-Bore-Motors hergemacht.
Neue Ventile erstmal poliert und dann eingeschliffen.
Für ein optimales Ergebnis hätte ich noch die Ventilsitzringe fräsen (lassen) müssen, aber auch so bin ich damit zufrieden ;)
20181229_133057 (Custom).jpg
20181229_150610 (Custom).jpg
Da gibt es doch tatsächlich unterschiedliche Tellerformen der originalen Auslaßventile !
Kann man auch schon auf dem obersten Bild erkennen, wenn man denn darauf achtet ;)
Zum Glück habe ich noch ein passendes, neues Ventil gefunden und das auch noch poliert.
20181229_151012 (Custom).jpg
20181229_163232 (Custom).jpg
20181229_162818 (Custom).jpg

Den Kopf habe ich in der Teilewaschanlage ausgespült und ausgeblasen.
Momentan darf er noch fertig abtrocknen und dann werden die Ventile eingebaut ;)
Nils kommt auch gleich noch zum schrauben, wobei der in erster Linie den Anlasserfreilauf der Aprilia-Rotax ersetzen will.

Bis später,
Michael

Re: Big Bore Kit

Verfasst: So 30. Dez 2018, 03:24
von Michael
Um weiter zu kommen musste der Zylinderkopf zusammengebaut werden.
Ventile sind klar, aber mit welchen Federn, Scheiben und Keilen montieren ?
Bei den Federn war es noch einfach, wir haben die längsten gewählt, die auch in gutem äußeren Zustand sind.
Also mal den Fundus ausgeleert und die besten weiteren Teile ausgewählt:
20181229_190444 (Custom).jpg

Die selbst gesteckte Aufgabe war es, mit Knete einen Innenabdruck der kritischen Stellen des Brennraums zu machen.
Damit wird Klarheit geschaffen, wie groß die Abstände wo sind, z.B. Ventile zu Ventiltaschen oder eben die Quetschkante, also der Rand des Brennraums.
Also den fertig montierten Zylinderkopf mit rundum 250er Shims montieren und erst mal Ventilspiel prüfen.
Steuerzeiten einstellen und messen. Klar, viel zuviel Spiel, also dickere Shims im Bereich 280 bis 290 montieren.
Damit liegen wir bei allen Ventilen schön zwischen 0,08 und 0,10mm, prima !

Nockenwellen wieder raus, Kopf wieder runter und den Freiraum oberhalb der Kolben mehr oder weniger gezielt mit grüner Knete (ist ja eine Kawasaki, da muss die grün sein!) belegt. Eine Seite der Nils, andere Seite ich.
Oh Mann, ist das spannend !
20181229_234437 (Custom).jpg

Kopf wieder drauf, Nockenwellen auch, Steuerzeiten einstellen.
Nebenbei noch mit den verschiedenen Steuerkettenspannern rumprobiert und festgestellt, das da welche dabei sind, die garnicht mal so gut funktionieren, weil der Stößel in der vorderen Feder klemmt. Ich habe mich für eine Version mit großem Pilz vorn am Stößel entschieden und schon lies sich die Steuerkette wieder wie gewohnt spannen. Habe bei CMS nachgeschaut und diese Version ist angeblich von der B1/B2 und von der BeltDrive.
Das kann ich mir nicht vorstellen, da ist doch bestimmt irgendwo der Wurm drin ?

Fussdichtung ist drin, Kupferkopfdichtung ist auch drauf, also den Kopf mit vorgeschriebenem Drehmoment angezogen.
Dabei kam schon etwas Knete an der Dichtfläche der Kopfdichtung heraus, nicht viel.
Ok, also den Motor durchdrehen.
Mühsam mit der Hand am Polrad und den stramm laufenden neuen Kolben bzw. Kolbenringen, aber zwei volle Umdrehungen absolviert.

Also Nockenwellen wieder raus und Kopf runter.
Ein Knetefleck klebte auf einem Kolben, der andere Knetefleck klebte im Brennraum.
Was für ein Anblick !
20181230_002625 (Custom).jpg
20181230_002642 (Custom).jpg

Grüne Knete im frisch gemachten Motor, aber ich wollte es ja unbedingt ausprobieren ;)

Mit dem Tiefenmesser des Messschiebers durch die Knete durchgestochen und vorsichtig rangeschoben, um die Schichtstärke zu ermitteln.
Also, die Ventiltaschen sind mit ca. 6mm Freiraum zum geöffneten Ventil eindeutig tief genug, das reicht auch für Spielereien mit scharfen Nockenwellen.
Der Brennraum selber ist riesig groß und birgt keinerlei Risiken.
Besonders spannend war die Quetschkante. Ganz aussen ergibt sich ein ausreichend großer Abstand von ca. 1,5mm, was in etwa der Stärke der Kopfdichtung entspricht:
20181230_003927 (Custom).jpg

Da der Brennraum noch auf 78mm Bohrung ausgelegt ist, der Kolben aber mit 86mm Bohrung und etwa 16° Schräge von aussen zur Mitte hin ansteigt, mußte sich ein Ring mit besonders kleinem Abstand genau entlang der bisherigen Brennraumkante ergeben.
Dem ist auch so. Gemessen sind hier nur etwa 0,8mm Abstand vorhanden.
Gegen Licht betrachtet kann man diesen Ring sehr gut erkennen:
20181230_003953 (Custom).jpg

Bei der Handhabung der Kneteflecken hat sich der "ausgestanzte" Rand auch teilweise gelöst:
20181230_004648 (Custom).jpg

Meine Entscheidung ist klar, die Kante muss entschärft werden.
Ich werde die Brennraumkante mit den vom Kolben vorgegebenen etwa 16° Schräge bearbeiten (lassen) und dabei auch gleich ein weiteres Kerzenloch für eine Doppelzündung anbringen lassen.
Da schmale Quetschkanten mit etwa 0,8mm Abstand leistungsfördernd wirken, werde ich den Kopf auch planen lassen, um eine umlaufende dünne Quetschkante zu bekommen.
3/10tel mm gehen bestimmt, evtl. auch mehr. Hängt davon ab, ob und wie weit man die (gehärteten) Ventilsitzringe an ihren äussersten Enden mit planen kann.
Habe mittlerweile einen privaten Motorenbearbeiter in Österreich gefunden, der begnadete Änderungen ausführen kann ;)

Insgesamt hätte ich mir etwas spektakulärere Abdrücke erhofft, aber so habe ich zumindest Gewissheit was sich in meinem Motor tut.
Puh, morgen erstmal die Knete aus dem Motor popeln ;)

LG, Michael und der zunehmend twinschraubende Nils