So, und da komme jetzt ich, der eine dieser erhaltenswerten Maschinen (in weiten Teilen originale B4 aus dem Amiland) frevelhafter Weise zur Kaffeemaschine umgebaut hat, mit meiner Meinung (und einem Erklärungsversuch ?) zum Thema.
Ich habe viel Spass am schrauben, und als die Tage der absoluten Geldknappheit vorbei waren leistete ich mir nacheinander meine Jugendträume, eine Horex Regina und eine Ducati 900 Königswelle. Natürlich kaufte ich die nicht restauriert, wollte ja selber was machen. Hab ich dann auch, und mich hat es schier auf den Hosenboden gesetzt als ich die Preise für Horex- und Ducatiteile sondierte. Aber ich wollte damals halt auch original...
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Dann hatte ich genug von dieser Originalheimerei, ich wollte endlich das bauen was mir gefällt, ohne bei jeder Aktion zu überlegen ob ich Kulturgut vernichte, und ob ich meinen Geldbeutel überfordere. Also ging die Suche nach einer japanischen, vermeintlich seelenlosen Basis los: maximal 2 Zylinder, Speichenräder, ab 500 ccm und eben bisschen Bums, am besten untenrum.
Da bleibt nich sooo viel Auswahl. Ich entdeckte eine B in gutem Zustand, mit wenig Kilometern (besser gesagt Meilen) und wunderschönen Chromteilen für überschaubares Geld. Für mich stellte sich damit überhaupt nicht die Frage, ob ich nicht besser ein verratztes Exemplar mit verrosteten Felgen und sabberndem Motor und mit 100000 km auf der Uhr kaufen sollte.
Ich habe mich mit dieser Maschine hier im Forum vorgestellt, und natürlich herrschte hier damals schon die Meinung vor, es sei nicht richtig so eine gute Maschine umzubauen (ich habs trotzdem gemacht, und bin mit dem Ergebnis glücklich).
Ich verstehe jeden, der ein absolutes Original haben möchte (ich habe inzwischen auch eines neben dem Umbau stehen), und unterstütze mit meinem Teilefundus gerne Leute die diese zu schätzen wissen.
Doch seien wir doch mal ehrlich: ist es nicht auch etwas langweilig immer und immer wieder die fast gleichen Maschinen in Prospektzustand anzuschauen. Sicher, man kann sich da mit seinem Fachwissen -was ist original und was nicht- profilieren. Ich finde es aber wesentlich aufregender einen Umbau anzuschauen, und dem Umbauer Respekt zu zollen (oder eben nicht) wie er das eine oder andere Detail umgesetzt hat, aus eigener Erfahrung wohlwissend welche Herausforderungen lauern.
Bei mir trifft so eben Schrauberherz auf Oldtimer-Liebhaberherz. Um die beiden Herzen in der Brust einigermaßen miteinander zu verbinden, versuchte ich den Umbau klassisch bzw. zeitgenössisch zu halten.
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Vom unbedarften, freien Schrauben an Nicht-Kulturgut war ich also schon wieder meilenweit weg.
Aber an was darf man denn dann überhaupt noch schrauben/umbauen ? Alles was TÜV-mäßig noch einfach zu beschrauben ist, ist vor 1985 bzw. vor 1990. auch das sind/werden bald Oldtimer - und damit automatisch: Finger weg, weil Kulturgut ?
Deshalb fing ich vor einiger Zeit an, lieber an Mokicks zu schrauben. Vergammelt günstig kaufen und herrichten. Nix Profit, nur Spass.
Also gleich aus der ersten Errungenschaft nen Caferacer gebaut :
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Ich kaufte danach einige schrottige dieser Gileras der 70er Jahre, und man glaubt es kaum, ich stecke inzwischen beim Herrichten dieser Fahrzeuge schon wieder im Dilemma -darf ich wie ich will, oder sollte ich besser original- . Es ist zum verrückt werden.
Gruß Volker
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