Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

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martin s aus b
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Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von martin s aus b »

Vorgestern bin ich, nach drei Monaten Standzeit, wieder mit der Enduro gefahren. Neue Batterie, sie ist problemlos angespungen, hatte dann aber auf den insgesamt ca 30 Kilometern Fahrstecke Aussetzer, Fehlzündungen und hat über 80 kmh im großen Gang praktisch mehr oder weniger zugemacht, dh. nicht mehr gezogen.

Daufhin hab ich jetzt die Schwimmerkammern erst abgelassen, dann abgeschraubt und auf dem Schwimmerkammerboden diese weißen Rückstände in Benzin gefunden, die man unten auf dem Foto einigermaßen sehen kann.

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Beim anschließenden Ablassen des Tanks via Benzinhahn und Schlauch in mehrere Benzinkanister hab ich mich gewundert, weil der Sprit nur spärlich kam. Wie ich dann den Hahn vom Tank abgeschraubt hab war die Lage aber klar - Benzinhahn halb verstopft.

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Und im Restbenzin hab ich das gefunden.

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Das Problem hab ich jetzt zum vierten Mal.

Vor ca drei Jahren bin ich, direkt nach Umschalten auf Reserve, ca 3 km von der Bodenstation entfernt stehengeblieben, weil kein Sprit mehr kam. Mittels mehrmaligem Schräglegen des Motorrads, so daß das Benzinhahn-Normalstellungsröhrchen jeweils wieder Sprit gesehen hat, bin ich nach Haus gekommen. Der Reserveeingang des Hahns, damals noch ohne Filtersieb, war völlig in diesen weißen Kristallen abgesoffen und verstopft.

Vorvergangenes Jahr mußte ich die Enduro nach Sturz und Rippenbruch in Bosnien in einer Garage stehenlassen. Als ich drei Monate später zurückgekommen bin ist sie sofort angesprungen, hat aber keine Wurst vom Teller gezogen. Schwimmerkammern abgebaut ...

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...weißer Schlamm. Gereinigt, anschließend fährt sie die nächsten 5.000 km problemlos.

Und letztes Jahr bin ich im Juni mit der Enduro zur Classic-Geländefährt nach Zschopau gefahren. Davor ist sie, nach der Rückkehr aus Bosnien und Albanien ca sechs Monate praktsch nur gestanden.
Irgendwo vor Wertheim am Main, bis da war alles ok, hab ich, Benzinhahn auf Reserve, einen LKW überholt, der so um die 75 fuhr. Und bin mit Tempo 80 und Aussetzern vor ihm gehängt und nicht mehr weggekommen. Vor dem anschließenden Tanken hab ich den Benzinhahn durch den Schlauchabgang mit dem Reifenfüller durchgeblasen. Danach hat sie gelegentlich noch geruckelt, ist aber wieder marschiert. Am nächsten Morgen hab ich vor dem Frühstück morgens um sieben vor meinem Nachtquartier bei Suhl die Schwimmerkammern abgebaut.

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Wenn ich mir das im Nachhinein überlege hab ich zwar jeweils Benzinhahn und Schwimmerkammern sauber gemacht, den GFK-Tank selbst dabei aber nie geleert und geputzt. Könnte also schon drei Jahre lang der selbe Dreck drin unterwegs sein. Heut hab ich ihn jetzt komplett entleert und mit Wasser durchgespült. Jetzt sollte er sauber sein.

Aber was ist das für ein Zeugs?

Im Tank und im benzinhahn, vor dem ersten Filter sinds Kristalle, in der Schwimmerkammer ists eher Schleim, der sich mit benzin rausspülen lässt. Trocken, dh. nach Verdunsten des Benzins, kleben die Kristalle zusammen und der Schleim verwandelt sich in eine feste Kruste, die ich, weil ich nicht alles rausgespült hatte, aus der Schwimmerkammer mit dem Schraubenzieher rausbröseln musste.

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Die Kristalle in der rechten Schale stammen aus dem Tank selbst und aus dem Benzinhahn, die rückstände in der linken aus der Schwimmerkammer, sind Brösel der Kruste aus der schwimmerkammer. Und dieses Zeugs muß zusammen mit dem Benzin sowohl durch den Drahtfilter am Schlauchanschluß des Hahns, rechts im Foto, wie auch durch den Zwischenfilter im Schlauch, links im Foto, geschlüpft sein.

Zucker im Tank? Chemie war nie meine Stärke und Google sagt, Zucker löst sich in Benzin nicht, käm also demzufolge auch nicht durch die Filter. Aber bei mir scheint ja dazuzukommen, daß das Problem nur nach längerem Stillstand auftritt und hier https://forum.2-ventiler.de/threads/zuc ... tank.7471/ gibts am Ende auch eine andere Aussage.

Hat einer von euch in Chemie aufgepasst und weiß was? Oder weiß, wen ich dazu fragen kann.

Martin
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Metalgäd
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Re: Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von Metalgäd »

Moin Martin!
Ich hab mal gehört, dass bei längerer Standzeit der Ethanolanteil im Kraftstoff Wasser aus der Umgebung bindet und zu so hellem Schleim/Verkrustungen führt.
Wäre zumindest eine nachvollziehbare Theorie.
Gruß
Gerd(2) :headbang:
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manne
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Re: Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von manne »

Die Sache erinnert mich an 2 Geschichten...

vor Jahren ist meine Twin damals auch ca 30km nach dem Tanken nur noch widerwillig gelaufen.. schnell war mangelnder Sprit lokalisiert... kann ja gar nicht sein hab ja vorher erst vollgetankt?!
Glücklicherweise hat der Wassersack am Bezinhahn der B ein kleines Filtersieb und ist von aussen leicht abzuschrauben... gesagt getan -das Filtersieb war mit gelartiger Masse belegt... also saubergemacht und weiter... das hab ich auf der Fahrt noch ein paarmal gemacht... nach der Arbeit dann den Tank abgenommen und der Sprit durch einen Lappen "gefiltert" - etwa ein Trinkglas - also wohl ca 0,1 Liter gelartige Masse war mit drin... wohl beim Tanken irgendwelchem Schlamm mitbekommen?!

die andere Geschichte - weisse Krümel und schmierige Pampe... im Sprit - hatte manche Triumph Tigertreiber der alten T400 Vergasermaschine... Prognose war dass aus dem Tank Krümel ausgelöst wurden...
Dass die Kunststofftanks nicht dauerfest sind für den Sprit ist nicht unbekannt.. auch an meiner Tiger ist der Tank "gewachsen" und zeigte Blasen an den geklebten Dekorstreifen - darunter eingeschlossene Ausdünstungen des Sprit die Ursache...

anbei noch ein Bild was damals im Tank gefunden wurde und ein Themenbeitrag im Forum.. aus 2012...
schmierdreck.jpg
schmierdreck-1.jpg
ich würde im Forum / bei den Fahrern der Maschine fragen von welcher der Tank stammt... sicher gibt es dort ähnliche Erfahrungen -vielleicht eine Lösung?!
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bikeorslk
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Re: Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von bikeorslk »

Moin Martin,

hm, als ich vor 9 jahren restauriert habe, hatte meine aucvh ein Jahr vorher nur rumgestanden und ich fand in den Vergasern diesen Zustand vor.
IMG-20160427-WA0003.jpg
IMG_1049.JPG

Die - wirklich stinkende - "Hexenpisse" hatte auch bei mir Spuren hinterlassen, die, wie mir erklärt wurde, durch in Ethanol gelöstes Wasser (exakt, wie Gerd es gerade gesagt hat) entsteht. Da mein Tank zudem auch noch rostig war, war eine Grundreinigung von Tank, Benzinhahn und Vergasern unerlässlich. Seitdem werden die Vergaser vor der Winterpause immer entleert und der Tank mit dem teuersten Supersprit randvoll befüllt, um möglichst wenig Ethanol im Tank zu haben. Ich habe seitdem keine Probleme mehr, manchmal bekommt die Twin zum Saisonbeginn noch ein Leckerli in Form einer Dose Vergaserreiniger beim ersten Tanken.

So, wie das da bei dir allerdings aussieht, gibt es m.E. ein anderes, größeres Problem, das ich - zugegeben, ohne fundierte chemische Kenntnisse - auf den Kunststofftank in Verbindung mit dem Sch..Ethanol zurückführen würde. Ich nehme mal an, der Tank ist aus einer Zeit, als Ethanol noch einzig in Flaschen in Form von Doppelkorn, Mariacron oder auch besseren Spirituosen abgefüllt wurde und nicht profan im Motor verbrannt wird. Ich halte es daher für gut möglich, dass das Harz des Tanks zwar beliebig lange Benzin verträgt, aber bei Alkohol empfindlich reagiert und dann den Schleim absondert, den du überall findest.

Ich hab mal KI befragt und - ecce - Treffer:
schleim.jpg

Bye

Carsten
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Rolf Simon "Gaga"
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Re: Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von Rolf Simon "Gaga" »

:schock: Hallo Männer,
interessante Antworten auf Martin's Anfrage sind da zu lesen ;)
Zu der Hexenpisse, die du, Carsten, in deinen Vergasern vorgefunden hast, nur soviel: :idee:
Selbiges Problem hatte ich bei unserem ersten Treffen in Naumburg, als mir damals die absaufenden Schwimmer der B einen Strich durch die Abreise gemacht haben. :(
Dank Lötkolben und Lötpaste im Reisewerkzeugfundus und dem intensiven Einsatz von AKOPADS ließ sich damals die Situation retten :rolleyes:
Welchen Lochfraß das Ethanol in Verbindung mit Wasser aber am Aluminium der Schwimmerkammern anstellt, ist schon erschreckend und in den Schwimmerkammern meines BMW- Gespannes sehr gut zu beobachten, die der Kawa sahen damals genauso aus wie auf deinen Bildern, Carsten :wallbash:
Auch die Ablagerungen auf den Düsennadeln waren gleichartig :(
Und welche Diffusionsmöglichkeiten Kraftstoff in Kunststofftanks findet kenne ich ebenso vom Tank meiner 1100er GS und noch aus der Erinnerung an den ACERBIS-Tank meiner 600er KLR :schock:
Den zu lackieren war rausgeschmissen Geld, ebenso wie der BMW-Tank warf die Lackierung große Blasen und war abziehbar :P
Und das, obwohl der GS-Tank aus GFK ist, der ACERBIS-Tank aber aus einem Thermoplast, das von vorneherein als nicht lackierbar galt :wallbash:
Aber Hauptsache schön Kawagrün, ich wollt's ja nur mal wissen :P
Bis dann, euer Gaga :camping:
Offroadyogi
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Re: Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von Offroadyogi »

den GFK-Tank selbst dabei aber nie geleert und geputzt.
Das ist m.E. das Kernproblem.
Ich kann dir nur aus Erfahrung mitteilen, dass GFK Tanks massiv altern und sich unter Sprit- Einfluss zuerst die Harz- Bestandteile lösen ( das ist vermutlich der weisse Schleim) und irgendwann dann undicht werden.
Wir haben unsere GFK Bultaco Tanks immer im Winter geleert, getrocknet und teilweise mit Kreem innen beschichtet.
Falls der Tank noch dicht und stabil ist würde ich ihn bei längerer Standzeit in jedem Fall leeren und entlüften.
Ob sich der Zersetzungsprozess jetzt noch aufhalten und durch eine Beschichtung aufhalten lässt?
Wenn, dann nur wenn du ihn ordentlich auslüften lässt und ausbläst.
Und ggf. nach einem anderen Tank aus Alu oder Blech schaust.
Just my 2 cents.....
extralarge100
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Re: Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von extralarge100 »

Ich hab das Problem bei der DT175 meiner Freundin. Sobald das Ding länger steht, bildet sich in der Schwimmerkammer auch so ein weißlich-grauer Schleim und verstopft alle Düsen. Rein vom Gefühl her greift der Sprit das Alu vom Vergaser an, er sieht innen aus wie angefressen. Ich tanke jetzt nur noch Aral Ultimate 102 ( tanke ich auch bei der Gelände Kawa) und seither ist es gut. Die DT hat einen Blechtank, die Gelände Kawa einen aus GFK. Bei der Kawa hab ich noch nichts festgestellt.
Schöne Grüße aus dem Allgäu
Andi
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martin s aus b
Z750Twin-Experte
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Re: Vergaserschlamm - löst sich Zucker in Benzin?

Beitrag von martin s aus b »

Hallo Zusammen,

ich hab grad mit dem "Tankbauer" gesprochen, von dem ich den GFK-Tank als Einzelanfertigungspeziell für die Enduro habe. Weil 'alte' GFK-Tanks seit Bleifrei-Benzin und erst recht mit den E10-Kraftstoffen tatsächlich An- und Auflösungsprobleme der GFK-Matrix haben beschichtet der seine Tanks abschließend innen mit einem kraftstoffbeständigen Venylesterharz aus dem Behälterbau. Wenn das jetzt bei meinem Tank nicht funktionieren würde wär ich, auch schön :D, der erste seiner Kunden, der damit ein Problem hat.

Auf den GFK-Tank bin ich umgestiegen, weil der Vorgänger, ein KTM-Penton-Kunststofftank "durchgeblasen" hat, so daß sich der Lack abgelöst hat. viewtopic.php?p=24811&hilit=kunststofftank#p24811


Angefressenes Alu hab ich aber auch.

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Allerdings nur im Benzinhahn, der von einer 1973er Yamaha stammt. Die Kawasaki-Vergaser sind da offensichtlich unempfindlich und zeigen keine Freßspuren. Scheint also von der Gußqualität bzw. Legierung abzuhängen, ob und wie empfindlich Aluminiumteile auf E-Kraftstoffe reagieren.

Aber das weiße Zeug hier ....

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... hängt und schwimmt im Tank und verstopft den hahn bereits vor der kammer mit dem angefressenen Alu. Hinter den beiden Kraftstoffsieben, in den Vergasern ists dann tatsächlich nur noch Weißschlamm.

Also, entweder hab ich zwei Probleme, vorne, was auch immer, in körniger Substanz und in den Vergasern vielleicht tatsächlich Aluschlamm. Oder das körnige was auch immer Zeugs löst sich im Kraftstoff auf, kommt so mit durch die beiden Filter, wird aber normalerweise mit dem Kraftstoff verbrannt und setzt sich nur bei langer Standzeit als Schlamm in den Schwimmerkammern ab und verstopft die Düsen.

Ich hab den Tank jetzt, das erste Mal seit ich dieses Mistproblem habe, komplett geleert, mit heißem Wasser gespült und dann noch mit dem Heißluftföhn getrocknet. Schaun wir mal, ob ichs damit los bin.
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